Die Kulturhauptstadtjahr Linz 09 ist ein willkommener Anlass nach Oberösterreich zu fahren. Und wenn wir schon in Linz sind, ist das Mühlviertel nicht mehr weit. So ergab sich die Reisetour fast von selbst.
Das Beste kommt immer zum Schluss, in diesem Fall der Mühltalhof in Neufelden. Im Vergleich zu einem Hotel wie dem Aviva hat der Mühltalhof kein Konzept - beziehungsweise ein ziemlich einfaches: "Gut essen, gut trinken, gut schlafen", erklärt Johanna Eckl, Chefin des Hauses, die ebenso simple wie anspruchsvolle Idee des Familienbetriebs. "Ansonsten gibt es kein Programm, wir wollen Leute ansprechen, die mit sich selbst was anzufangen wissen." Auch der Weitblick ist vergleichsweise eingeschränkt und reicht gerade über die aufgestaute Große Mühl hinüber zum nächsten Wald. Dafür kann man hier nicht nur die Seele fliegen, sondern auch den Kärper schwimmen lassen, die reine Idylle.
Worauf es aber vor allem ankommt: Man fühlt sich ab der ersten Minute wohl und willkommen. Der Mühltalhof wurde frisch um- und ausgebaut, präsentiert sich jetzt in einem durchaus mutigen Mix von alter und neuer Architektur, mit 24 individuell ausgestatteten Zimmern, die wie das ganze Haus eine gute Atmosphäre haben und ausgesuchte Liebe zum Detail zeigen, ob es nun die in grobem Holz gearbeitete Rezeption, jeder einzelne Lichtschalter oder die richtigen Bilder an den Wänden sind. Der Gute GEschmack, der Sinn für Kunst und Design, der die Atmosphäre des Hauses durchgängig prägt, ist kein Zufall: Johanna Eckls Mann, Joachim Eckl, ist international arbeitender Künstler, der gleich gegenüber im Lagerhaus sein Atelier "Heim.Art" unterhält.
Ein Künstler auch ihr Bruder, Helmut Rachinger, Chef der Küche, hoch dekoriert mit zwei Gault-Millau-Hauben, zuletzt wurde seine Küche von Falstaff zum besten Landgasthaus erklärt. der Mann ist tief verwurzelt mit diesem Haus an der Großen Mühl, die Wurzeln der Familie und des Gasthauses reichen sechs Generationen zurück: "Ich bin hier auf die Welt gekommen, ich habe hier fischen gelernt, ich bin schon immer da." Und er wird wohl immer da bleiben, den echten Mühlviertler zeichnet eine gewisse Beständigkeit aus. "Ich koche, was ich will", erklärt Rachinger seine Küche, besonders gern kombiniert er Obst mit Kräutern und Fleisch, zum Beispiel spanische Mandarine mit spanischem Serrano-Schinken, Ruccola, Petersilie und einem Schuss Sherry-Essig, alleine dafür lohnt sich jeder Kilometer von woher auch immer. Unprätentiös, aber von allerbester Qualität. Wie das Mühlviertel selbst, möchte man hinzuführen.
Audi Magazin, Ausgabe 1/09